Erfolgreichster Ruderverein Österreichs

Der Erste Wiener Ruderclub LIA wurde 1863 gegründet und ist damit der älteste Körpersport treibende Verein Österreichs. ...

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Aktuelles

27.10.2016, LIA in der "Presse"

Ein Bericht in der Presse

von EVA REISINGER

 

Vereinsleben. LIA ist Österreichs ältester Ruderklub. Seit Jahren wächst seine Mitgliederzahl. Dass in einem Verein aber jeder seinen Beitrag leisten muss, ist oft gar nicht so einfach zu vermitteln.

Julia Hanisch und Juliana Holler nehmen ein Boot aus der Stellage im Bootshaus. Ein weißer Zweier: zehn Meter lang und 26 Kilo schwer.Während sie es hochheben, drehen sie es. Kieloben auf den Schultern liegend,tragen sie es zum Wasser. Beide haben einen Einteiler in den Farben des Vereins an: rot-weiß gestreift, Tropfen prasseln auf den Steg, es regnet. Die Blätter rundherum sind bereits gefärbt. Gegenüber das Gänsehäufel, weiter rechts blitzen die Türme der Donaucity hervor. Die Mädchen ziehen ihre Turnschuhe aus und steigen in das Boot. Während sie sich kurz sammeln, treibt der Wind sie ab. Sie rollen mit ihren beweglichen Sitzen in Startposition. Auf Kommando ziehen sie die Ruder gleichzeitig kräftig durchs Wasser.  Hanisch, 16, und Holler, 14, sind Mitglieder des Ruderklubs LIA. Im September wurden sie im Achter-Boot österreichische Junioren-Meisterinnen. Das hat zuvor noch keine Mädchenmannschaft der LIA geschafft. "Es macht mich unglaublich stolz, für den Verein rudern zu dürfen", erzählt Hanisch. Sie wurde bei einem Probetraining in ihrer Schule ausgesucht, Holler kam durch ihren Cousin zum Rudern, durch den Klub wurden sie Freundinnen. Das ist auch wichtig, betonen sie, denn für Freunde außerhalb des Vereins bleibe nur wenig Zeit. Sie trainieren neunmal die Woche auf dem Wasser und zweimal die Woche im Kraftraum. Dienstag und Donnerstag vor der Schule, an den anderen Tagen danach. Beide besuchen mittlerweile eine fünfjährige Oberstufe mit Schwerpunkt auf Hochleistungssport. In ihren Klassen sitzen sie neben Schwimmern, Eishockey-Spielern, Reitern und Fußballspielern. LIA ist der älteste Verein für Körpersport in Österreich. Der ehemalige Lehrer und Direktor Kurt Sandhäugl ist seit 2008 Präsident und Trainer. Rudern ist natürlich nicht irgendein Sport, sondern ein elitärer Sport mit Prestige, ja ein Gentleman-Sport, wie ihn Sandhäugl nennt. Mit 500 Euro Mitgliedsbeitrag ist LIA auch der teuerste Ruderverein Wiens. Es gibt rot-weiß gestreifte Klub-Krawatten, die Traditionen sollen nach außen getragen werden. Im Vereinshaus an der Alten Donau hängen, neben unzähligen Pokalen, viele alte Fotos. Sie zeigen Männer mit Schnauzbärten, stolz posierend, in rot-weiß-gestreiften Einteilern.

Boot bauen, Verein gründen

Die Gründung des Vereins war gar nicht so einfach, da es ab 1848 ein Versammlungs- und Vereinsverbot gab. Als das Verbot in den 1860er-Jahren aufgehoben wurde, haben sich Männer zusammengetan, die vom Rudersport in England gehört hatten. Sie bauten sich selbst ein Boot und gründeten einen Verein. Diesen nannten sie nach der Frau des Gründers, Cornelia von Kendler, die von allen nur Lia genannt wurde. Seitdem ist LIA unpolitisch, und das ist dem Präsidenten Sandhäugl ein Anliegen: "Mir ist das ganz wichtig, dass das so bleibt. Die parteipolitische Orientierung unserer Mitglieder interessiert beim Rudern wirklich niemanden. Bei uns ist jeder willkommen. Leider spielt die Politik im Sport oft eine viel zu große Rolle."

Derzeit verfügt LIA über 344 Mitglieder, 40 Prozent sind Frauen. Trainiert wird ganzjährig draußen. Im vergangenen Winter wurde nur zwei Wochen pausiert, da eine Eisschicht auf der Donau lag. Indoor-Training in einem Becken in der Stadthalle gibt es auch, das mögen die meisten Mitglieder aber nicht so gern, da sie in einem Kellerraum auf starren Anlagen rudern, erzählt Sandhäugl. Die Faszination des Ruderns liege schließlich auch an der Bewegung in der Natur. In Vereinen lerne man viel über Teamarbeit, sagt der Präsident: "Jeder muss kapieren, dass er seinen Teil beitragen muss. Das ist in der heutigen Zeit ein Problem. Viele, die beitreten, glauben, sie können den Verein wie einen Fitnessclub konsumieren." Mit ähnlichen Problemen würden auch andere alteingesessenen Vereine kämpfen, betont Sandhäugl. Das älteste Mitglied ist übrigens ein 93 Jahre alter Mann, er rudert zweimal in der Woche und trägt sein Boot selbst zum Wasser. Am Tag des Interviews ruft er den Präsidenten an und gratuliert ihm zu seinem Geburtstag. Genau so etwas schätze er am Vereinsleben, erklärt Sandhäugl mit einem Lächeln.

Rudern: Lebensmittelpunkt

Auf die Frage, worauf sie für das Rudern verzichten müssten, antworten Hanisch und Holler einhellig: "Schokolade." Alkohol sei sowieso tabu. Das würden manche ihrer Freunde nicht verstehen. "Alles,was ich in meinem Training aufbaue, kann man in nur einer Nacht zerstören. Das ist es mir echt nicht wert. Wenn man auf dem Podest mit einer Medaille steht, weiß man, warum man verzichtet hat", sagt Holler. Für die beiden Mädchen ist das Rudern ihr Leben und damit sind sie im Klub LIA nicht allein.


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