Erfolgreichster Ruderverein Österreichs

Der Erste Wiener Ruderclub LIA wurde 1863 gegründet und ist damit der älteste Körpersport treibende Verein Österreichs. ...

VIENNA NIGHTROW

Aktuelles

6. - 16. August 2010 / Wanderfahrt: Eisernes Tor

Allein die Eckdaten - 323 km in acht Rudertagen, auf der Donau von Smederevo, rd. 30km nach Belgrad, bis ins bulgarische Vidin, im Hochsommer, mit nur wenigen Monaten Rudererfahrung. Eine echte Herausforderung - nicht nur für Anfängerinnen!

 

Ende April wusste ich vom Rudern nicht viel mehr, als dass es am Wasser statt findet, man verkehrt herum sitzt und dass es einfach elegant aussieht. Einen Anfängerkurs, viele Stunden auf der Alten Donau - Danke an die geduldigen BetreuerInnen - zwei Wanderfahrten und 80km am Strom später war ich vom Rudervirus längst infiziert. So konnte ich Fahrtenleiter Nik Nemeskeris ermutigendem Angebot, im August im Rahmen der TID (Tour International de Danube) mit ans Eiserne Tor zu fahren, nicht widerstehen. Ein Großteil der TeilnehmerInnen, darunter einige liebgewonnene Anfängerinnen vom Herbstkurs, war mir von verschiedenen Ausfahrten bereits bekannt. Somit war ich nicht der einzige Neuling. Vervollständigt wurde unsere 11köpfige Mannschaft von drei Gästen, Gabi und Thomas von den Argonauten und Rainer von den Rheingaunern in Eltville / Deutschland. Der 12. und wichtigste Mann war Simeon Kljajic, serbisches Urgestein mit Jahrzehnte langer Erfahrung bei der TID und vielen LIAnesInnen bereits von früheren Wanderfahrten wohl bekannt. Er machte mit jeweils einem von uns den Landdienst, sorgte für den Transport von Team und Gepäck, suchte die besten Restaurants aus, erledigte das Dolmetschen und stellte sicher, das wir am Ende jeder Tagesetappe die ausgeschwitzten Mineralstoffe mit kaltem Bier wieder auftanken konnten.

 

Abendliches Ritual

Die vielen Stromkilometer, die vor uns lagen, waren letztendlich ausschlaggebend dafür, dass sich die meisten von uns für einen Flug nach Belgrad entschieden. Nik und Martina transportierten die zwei Boote mit dem Hänger über Ungarn nach Serbien, die beiden Argonauten, Gabriela und Thomas, stellten sich der langen Anfahrt mit Bus und Bahn.

 

In einer launigen Kurzrede macht uns Nik bei Spanferkel und Hammelbraten mit den Grundregeln dieser Wanderfahrt vertraut: Gemeinsame Kasse, die bei Ebbe natürlich wieder zu gleichen Teilen aufzufüllen war, und täglich wechselnde Positionen in den beiden Booten. So entwickelt sich rasch ein Ritual, das jeden Abend mit großer Spannung vollzogen wird: Martinas gewissenhaft vorbereitete Zettelchen mit "Bonn" und "Dürnstein", beides Doppelvierer mit Steuermann, und eines für den Landdienst, werden je nach Verfügbarkeit in Brotkörben, Kappen oder Aschenbechern durcheinander gemischt. Dann entscheidet das Los.

 

Die Etappen

Tag 1: führt uns von Smederevo nach Veliko Gradiste, mit 58km die längste Etappe der ganzen Tour. Eine Temperatur jenseits der 30er, wenig Strömung und weitläufige Flussschlingen lassen den Nachmittag schier endlos erscheinen. Lediglich der schmucke Ort Ram mit seiner Festung sorgt für einen kleinen Lichtblick.

Tag 2: 38km von Veliko Gradiste nach Dobra. Gegen Mittag erreichen wir die mit fast 6km breiteste Stelle der Donau, auch Serbisches Meer genannt. Ein leichter Wind sorgt für heftigen Wellengang, dem selbst in unmittelbarer Nähe zum Ufer nicht zu entgehen ist. Entsprechend schwierig gestaltet sich das Anlegen bei der Festung Golubac.

Tag 3: 31km von Dobra nach Donji Milanovac: Einer der kulturellen Höhepunkte der Tour, die mittel- und jungsteinzeitlichen Ausgrabungen in Lepenski Vir, bleiben uns verschlossen, da das Museum gerade umgebaut wird. Dennoch lohnt sich das Anlegen, nicht nur wegen unseres deftigen Picknicks. Die kleine Raststätte beim Museum ist gut besucht von anderen TID-Teilnehmern, die wir in den darauf folgenden Tagen immer wieder treffen. Donji Milanovac empfängt uns mit groben Wellen, so dass die "Dürnstein" beim Anlegen fast vollgeschlagen ist. Aber es geht sich grad noch aus.

Tag 4: 34km von Donji Milanovac nach Tekija. Die Mannschaft der "Dürnstein" muss den Tag mit heftigem Schöpfen beginnen, bevor wir den landschaftlich eindrucksvollsten Abschnitt unserer Fahrt genießen können: Das Eiserne Tor, an dem sich der Fluss zwischen 300m aufragenden Felsen auf 150m Breite und 120m Tiefe verengt. Das macht den Nationalpark Djerdap zu einem der imposantesten Talkessel Europas. Den Tag beschließen wir in einem gemütlichen Gasthaus in Tekija, direkt am Ufer, bei herrlichem Zander und malerischem Sonnenuntergang.

Tag 5: 23km von Tekija nach Kladovo: Heute ist Schleusentag. Wir steuern auf Djerdap I zu. Das heißt in erster Linie pünktlich sein, auch wenn die entspannten Schleusenwärter letztlich geduldig auf vereinzelte Nachzügler warten. Geschleust wird in zwei Stufen, der Niveauunterschied beträgt jeweils 16m, Gesamtdauer ca. 90 Minuten.

Tag 6: Ruhetag! Genau genommen sind wir ein bisserl enttäuscht, dass wir einen Tag ohne Rudern auskommen sollen! Aber ein Ausflug in das kleine Weindorf Rajac an der Grenze zu Bulgarien überzeugt uns rasch von den Annehmlichkeiten eines ganzen Landtags!

Tag 7: 50km von Kladovo nach Brza Palanka: Langsam profitieren wir wieder von der Strömung. Die Sonne knallt weiterhin bei 35°C, die Landschaft ist lieblich, aber ein bisschen eintönig. Gut geeignet, um die Gedanken schweifen zu lassen. So lange, bis sich beim Anlegen einmal mehr zeigt, dass vier erfahrene Ruderer mindestens acht unterschiedliche Meinungen bedeuten! Anscheinend haben aber immer alle Recht, denn jedes Manöver gelingt über kurz oder lang.

Tag 8: 51km von Brza Palanka nach Novo Selo: Nach einer unbürokratischen Grenzkontrolle der Serben am Campingplatz steuern wir zügig auf Djerdap II zu. Die zweite Staustufe ist nur 12,5m hoch, so dass wir sie in 45 Minuten durchlaufen haben. Die heiß ersehnte Badepause muss aber noch warten, da wir zwar aus Serbien aus-, nach Bulgarien aber noch nicht eingereist sind.

Tag 9: 42km Novo Selo nach Vidin: Der letzte Tag am Wasser. Allerdings hat mir das Los den - ungeliebten - Landdienst zugewiesen. Die kleine Stadt Vidin verfügt jedoch immerhin über ein paar Sehenswürdigkeiten: Die ehemals prachtvolle, heute verfallene Synagoge, die hübsche Uferpromenade, die alte Burg Bela Vida oder die Kirche des Hl. Dimitrios.

 

Fazit

Tag 10: Die knapp siebenstündige Rückfahrt nach Belgrad stellt sich als die härteste Etappe heraus. Nicht nur für unseren umsichtigen Simeon, der den übervollen Minibus auf kleinen Nebenstraßen steuert.

Übernächtig und gut durchgerüttelt sind sich am Ende dennoch alle einig: Eine unglaublich eindrucksvolle Wanderfahrt, herrliche Landschaft, nicht zu unterschätzende Herausforderungen durch die tückischen Wellen, fordernde, aber durchaus zu bewältigende Etappen. Und: Gerne würden wir die nächsten paar hundert Kilometer der Donau errudern. Vielleicht schon im kommenden Jahr?

 

Mit dabei waren: Fahrtenleiter Nik Nemeskeri, Bootsverantwortlicher Ernst Chowanetz, LIA Ehrenpräsident Fritz Altenhuber, Martina Saukel, Isabella Kohler, Disa Medwed, Johanna Schopper und Elo Resch-Pilcik sowie die beiden Argonauten Gabriela Koch und Thomas Loimer, Rheingauner Rainer Härtner und Organisator Simeon Kljajic.


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