Erfolgreichster Ruderverein Österreichs

Der Erste Wiener Ruderclub LIA wurde 1863 gegründet und ist damit der älteste Körpersport treibende Verein Österreichs. ...

VIENNA NIGHTROW

Aktuelles

15. April 2012: Gelungener Ruder-Saisonauftakt des LIA-MM8+

beim Internationalen Cup von Budapest (XXII. SZECHENYI Gedenk Regatta)

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ein 7. Platz bei einer Beteiligung von insgesamt 9 Achter-Booten bei der, dem liberalen ungarischen Staatsreformer, Unternehmer und Ruderer, Graf Stephan Széchenyi (1791-1860) gewidmeten Ruderregatta, ist nicht gerade das, was man zwangsläufig als ein erfolgreiches Abschneiden bei einem Rennen bezeichnen muss. Und die Optik wird auch dadurch nicht wirklich besser, wenn man versucht sein möchte, diese Platzierung - etwa in Anlehnung an die mit zahlreicheren Booten besetzten, internationalen Ruderregatten mit Vor- und mehreren Finalläufen - quasi als Sieg im B-Finale darzustellen. 7ter von 9 bleibt eben 7ter von 9.

 

Aber - und selten, aber gelegentlich doch gibt es ein Aber mit Berechtigung - aber im Detail darf dieses erste Ruderrennen der Saison 2012 des LIA-Masters-Männer-Achters (LIA-MM8+), diesmal allerdings mit dem noch nicht zu den Masters zählenden Sebastian Ostermann am Schlag, der den routinierten aber sich zum gegebenen Zeitpunkt im Ausland befindenden Schlagmann Frank Llewellyn mit einer äußerst starken Performance vertrat, dennoch als gutes Rennen gewertet werden. Denn zum ersten Mal seit seiner Gründung im Jahre 2009 - also vor rund vier Jahren - ist der LIA-MM8+, diesmal in der Formation mit Sebastian Ostermann (8), Hans Küng (7), Laszlo Kokas (6), Nikolaus Neugebauer (5), Hannes Böhm (4), Kurt Schmied (3), Nikola Popovic (2), Michael Zwillink (1) und dem frisch am Meniskus operierten und daher diesmal als Steuermann/Coach fungierenden Matthias Schreiner bei einer internationalen besetzten Regatta in der offen Klasse angetreten. Und wenn ein Boot voll mit Amateuren mit einem Durchschnittsalter von deutlich über Vierzig, sich in die Gewässer des internationalen Rennruderns vorwagt, bei dem die 20-25 jährigen aktiven Rennathleten das Sagen haben, dann mögen die einen darüber den Kopf schütteln, andere wiederum staunen, auf alle Fälle aber darf - bei so einem Rennen, als "Oldies" nicht abgeschlagen Letzter zu werden - schon als ein guter, erster Testlauf zur eigenen Standortbestimmung und als gelungener Auftakt in die Rudersaison 2012 gewertet werden.

 

Betrachtet man darüber hinaus noch die Zeiten, errudert bei der 4500 m langen Langstrecken-Regatta, auf einem leicht strömenden, mitten durch Budapest führenden Donauseitenarm, mit dem Ziel bei dem 1862 (also just einem Jahr vor dem 1. WRC LIA) gegründeten Ruderclubs Danubius auf der Margaretheninsel, so geht auch daraus deutlich hervor, dass der LIA-MM8+ unter den klaren Kommandos von Matthias und einer während dem ganzen Rennen kontinuierlich gehalten Schlagzahl von 33/34 und einem 300m-Schlusssprint bei SZ 35/36 zu einen soliden Rhythmus fand und ihr auch schon etwas bejahrtes Schellenbacher Boot bereits ordentlich zum Laufen brachte. Das LIA Boot lag mit einer Zeit von 13:19 letztlich "nur" 56 Sekunden hinter dem siegreichen ungarischen Boot der Senior-Männer vom Ruderclub Csepel EK (12:23) mit Lörincz Ádám (Sieger 2010 im 4x beim Coupe de la Jeunesse, damals vor Polen und Großbritannien) am Schlag, 24 Sekunden hinter dem Boot der Italiener von Canottieri Mincio (12:55) mit Peter Vermes im Boot (6. bei der U-23 WM 2011 im LM2-), und damit aber auch vor dem serbischen Boot des Ruderclubs Universität Belgrad (13:33) und deutlich vor einem weiteren, ungarischen Boot vom Ruderclub Csongrád SE (14:51).

 

1) Csepel EK                                  (HUN)           12:23,0
2) Tisza EE                                      (HUN)           12:33,6
3) Canottieri Mincio                        (ITA)              12:55,2
4) Külker EK A                                 (HUN)           12:55,3
5) DNHE B                                       (HUN)           13:02,0
6) DNHE A                                        (HUN)           13:18,3
7) 1.WRC LIA Masters                   (AUT)            13:19,2
8) University Club Belgarde          (SRB)            13:33,5
9) Csongrád SE                              (HUN)            14:51,5

 

Wenn die Väter mit den Söhnen ... - natürlich mag es einen als Mastersruderer gelegentlich nachdenklich stimmen, wenn einem 20 - 30 Jahre jüngere Sportler bei so einer Gelegenheit das Wasser abgraben, aber es bietet sich umgekehrt gerade dadurch auch immer wieder die Gelegenheit, sich zu orientieren und sich zu weiteren, verbesserten Leistungen zu motivieren, nach neuen Heraus-forderungen zu suchen und sich diesen auch sportlich zu stellen. In Folge gilt es dann aber auch, die dabei unter Rennbedingungen sich zeigenden, individuellen Defizite, vor allem in der Rudertechnik aber auch bei einigen, die zum Teil durch längere Verletzungen bedingten, konditionellen Schwächen, gezielt durch entsprechendes Training, im Boot, am Ergometer und in der Krafthalle zu beheben.

 

Gerade ein seriös und konsequent trainierendes LIA-MM8+Team muss sich immer wieder auch stärkeren, jüngeren und internationalen Gegnern stellen, die auch mal eine Kragenweite zu groß sind, um sich A) technisch und physiologisch weiter zu entwickeln, um B) einen erweiterten Ruderhorizont wahrzunehmen und in diesem auch wahrgenommen zu werden und um C) sich nicht nach ein paar Erfolgen im eignen, in Österreich gegenwärtig doch recht überschaubaren Masters-Umfeld, bequem zurückzulehnen, leger auf die Optimierung des eigenen Bootlaufes zu pfeifen, um sich statt dessen nur noch auf das Bier nach dem Rennen zu freuen. Gegen ein Bier nach dem Rennen ist sicher nichts einzuwenden, aber am Besten schmeckt es halt doch, wenn vorher das Boot wirklich gut gelaufen ist und, resultierend aus einem maximalem Training, Einsatz und Vermögen, eine möglichst minimale erruderte Rangnummer, vor dem "guten Mittelfeld" hervorgeht.

 

So gesehen, als Testlauf für die schon bald folgenden Achter-Rennen des Alpencups 2012 und als Station auf dem langen Weg zum guten Achter-Rennteam, war die Teilnahme und das Abschneiden des LIA-MM8+ beim Budapest-Cup erforderlich und ein schöner, erster Erfolg.

 

Und erinnert sich der eine oder andere Leser an die gemeinsam, für einige aus dem Team, erstmalige Reise nach Budapest, an die durch den Veranstalter Club Danubius organisierte Gratis-5-Sterne-Übernachtung im Hotel "Intercontinental Budapest", an das gute Abendessen zu den, besonders von Nikola "hoch geschätzten" Violinklängen des ungarischen Teufelsgeigers direkt neben seinem rechten Ohr, an den entspannten, nächtlichen Spaziergang über großzügig angelegte Plätze, umrandet mit feiner klassischer Architektur, hindurch unter der beleuchteten Burg, der Mathiaskirche hin zur Kettenbrücke und ganz besonders vorbei unter dem steinernen Blick des "Heiligen Böhms mit dem Penthouse" der unserem Hannes und Basti trotz umfangreichen Recherchen, sprich Irrwegen mit dem Bus in der Stadt die wirkliche, die einzig wahre, die ultimative Disco dann doch (noch) nicht zeigen wollte, dann ist besagter Erfolg ein um so schönerer.

 

Auch das, die Mannschaft für das frühe Aufstehen mehr als entschädigende, verführerisches Frühstücksbuffet vermochte das LIA-MM8+ Team just nicht abzuhalten, rechtzeitig sich dem Rennen auf der Donau zu stellen - unter einem Wind und Regen freien Himmel und über einen dennoch sehr, sehr viel Balance erfordernden, mit losen Brettern vom Gastgeber gezimmerten, oder besser gesagt, ziemlich wacklig improvisierten und letztlich dann doch einbrechenden Boots-Stege. Einem Rennen auch, welches letztlich an eine lange Tradition von Regattastarts der LIA in Budapest anknüpfte, wie ein altes, uns vom Präsidenten des Ruderclubs Danubius gezeigtes Plakat mit den darauf gemeldeten und aufgeführten Mannschaften, namentlich auch dem, des "Ersten Wiener Ruderclubs LIA" aus dem Jahre 1912 belegt.

 

Letztlich gilt ein besonders herzlicher Dank an dieser Stelle den ungarischen Veranstaltern, stellvertretend gerichtet an die Ruderer, Zita Vimi und Gergely József Orbán vom Ruderclub Danubius die uns diese Teilnahme ermöglichten und mit ihrer Gastfreundschaft zum großen Vergnügen gemacht haben. Wir möchten nächstes Jahr sehr gerne wieder kommen - und natürlich dabei ein paar Plätze in der Wertung gut machen.

April 2012, Hans Küng


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