Erfolgreichster Ruderverein Österreichs

Der Erste Wiener Ruderclub LIA wurde 1863 gegründet und ist damit der älteste Körpersport treibende Verein Österreichs. ...

VIENNA NIGHTROW

Aktuelles

Wanderfahrten 2013 3.Teil

Von Elo Resch-Pilcik

 

Bis ins kleinste Detail haben Martina und Nik die Wanderfahrt ins Donaudelta zu Stromkilometer Null vorbereitet, alles perfekt organisiert. Nur auf das Wetter hatten sie keinen Einfluss. So fielen drei geplante Rudertage heftigem Sturm und Wellen zum Opfer.

 

Nachdem uns in den vergangenen drei Jahren die Sommer-Wanderfahrten auf der Donau von Belgrad bis ins rumänische Seimeni geführt hatten, stand heuer für eine kleine Truppe der LIA mit zwei Argonauten das Delta auf dem Plan. Ziel: Stromkilometer Null auf der Insel Sachalin.

 

In weiser Voraussicht waren Nik und Martina mit drei Booten - Voga Longa, Greifenstein, Bonn - auf dem Hänger aufgebrochen. Gleich am ersten Tag musste Gabriela wegen einer heftigen Verkühlung das Bett hüten, was uns einen Doppelfünfer mit Loch bescherte. Kaum war Gabriela wieder fit, fiel ein paar Tage später Disa mit Sehnenscheidenentzündung für den Rest der Tour aus. Was dazu führte, dass sie uns nicht nur alle Vögel des Deltas - und das sind echt viele - namentlich vorstellen konnte, sondern uns auch nach jeder Etappe mit mütterlicher Zuwendung verwöhnte.

 

Viel Gegenwind

Hatten wir in den ersten paar Tagen durchaus Glück mit dem Wetter, so änderte sich das am Tag 4. Die längste Etappe mit 55km zwischen Braila und Luncavita, entlang der kurzen Grenze zu Moldawien und danach zur Ukraine. Doch so weit kamen wir gar nicht. Extrem starker Gegenwind und heftige Wellen zwangen uns nach etwa 8km zum Abbruch. Also umkehren, stromaufwärts zurück nach Braila, wo wir die Boote am nächsten Tag sehr zu aller Freude unversehrt auf den Hänger laden und nach Tulcea verlegen konnten. Wie schon in den Jahren zuvor hat beim Transport von Mensch und Material Simeon eine wesentliche Rolle, nämlich die des Fahrers, übernommen. Ihm sei hier nochmals herzlich gedankt. Nach einem zweiten, diesmal geplanten, ruderfreien Tag gingen wir mit der Voga Longa und der Bonn aufs Wasser. Dummerweise hatten wir beim Transport einen Rollsitz des Doppeldreiers verloren, so dass der Fünfer einmal mehr mit Loch ablegen musste. Der Mittelsitz wurde kurzerhand in die Voga Longa montiert und Hanna erklärte sich freundlicherweise bereit, den Tag an Land zu verbringen.  

 

Schlammschlacht

Jeder, der schon eine Wanderfahrt mit der Lia gemacht hat, weiß, dass die Auswahl des optimalen Pausenplatzes niemals ohne heftige Wortgefechte abläuft. Ebenso wie jedes Anlegemanöver. Acht Ruderer, zwölf Meinungen. Eine absolut unvergessliche Picknick-Pause bot sich uns zwischen Murighiol und Sfantu Gheorge, bei ca. Stromkilometer 23. Tief hängende Weidenzweige und bodenloser Schlamm. Wer mit Wasserschuhen aus dem Boot gestiegen war, hatte den grauen Gatsch nicht nur bis zu den Knien, sondern gleich auch bis zum Ellenbogen, wenn man versuchte, die Schuhe aus der schlammigen Tiefe zu retten. Nur der Gedanke, dass Schlamm ja auch heilende Wirkung haben kann, hat uns den Blitzaufenthalt überstehen lassen.

Die kurze Mittagspause im Schlammloch hatte aber auch einen Vorteil: Wir waren relativ früh in Sfantu Gheorge auf Stromkilometer 5. Da für den nächsten Tag Sturm vorhergesagt war, konnten ein paar energiegeladene Damen den Rest der Mannschaft überzeugen, noch am selben Tag bis ans Schwarze Meer zu rudern. Nach einem kurzen Ritt über die Wellen legten wir bei Stromkilometer 2 vom Meer aus an. Herrlich! Endlich am Ziel! Das war schon sehr bewegend. Vor allem die Vorstellung, wie sich die Donau durch mehr als halb Europa schlängelt, bevor sie hier ins Meer fließt. Und wir jetzt mitten drin.

 

Und gut war's, dass wir am Vorabend noch unsere verbleibenden Kräfte mobilisiert hatten. Der angesagte Sturm machte am nächsten Tag nicht nur Rudern unmöglich, nicht einmal ein Ausflug mit dem Schlepperboot zu Kilometer 0 auf der Insel Sachalin war zu machen. Aber wir waren am Ziel. Und Fritz hatte es geschafft, er kann von sich sagen, die ganze Donau abgerudert zu haben, bis ins Schwarze Meer! Gratuliere, Fritz!

 

Schneller als ein Hotel

Wie schon bei den vorangegangenen Wanderfahrten hatten Martina und Nik bereits im Frühjahr eine Erkundungstour nach Rumänien unternommen. Dabei hatten sie die "Anastasia", ein schwimmendes Hotel, ausfindig gemacht, das uns ab Murighiol bis nach Sfantu Gheorge als Unterkunft - und gleichzeitig Restaurant mit großartiger Küche - diente. Keiner hätte gedacht, dass Fisch so vielfältig zubereitet werden kann.

Die letzten beiden Tage hieß es, stromaufwärts, wieder teilweise mit heftigem Gegenwind, zu rudern. Dennoch schafften wir es, an der Anastasia vorbeizuziehen. Ein tolles Gefühl, sein eigenes Hotel am Wasser zu überholen! Da mussten sich alle ordentlich ins Zeug legen. Allen voran Thomas, von dem sich eine der Teilnehmerinnen lachend mit den Worten "danke, dass du uns durch die Donau gezogen hast", verabschiedete.

 

Besonders hilfreich beim Navigieren in den vielen Nebenarmen und Stichkanälen waren Niks Stromkarten, die er an die Steuerleute ausgegeben hatte. Ein bisschen wie Orientierungslauf am Wasser. Nach anfänglicher Ablehnung konnte sich auch der versierteste Steuermann von allen, Ernst, mit dem Kartenmaterial anfreunden.

 

Alles in allem eine herrlich Tour, mit zehn Tagen ziemlich lange, aber dennoch durchwegs harmonisch. Danke, Martina und Nik, für die aufwändige Organisationsarbeit! Bleibt nur noch die Frage: Was machen wir nächsten Sommer?

 

Die TeilnehmerInnen:

Gabriela Koch, ARG

Thomas Loimer, ARG

Von der LIA:

Martina Saukel

Nik Nemeskery

Johanna Schopper

Disa Medwed

Ernst Chowanetz

Fritz Altenhuber

Elo Resch-Pilcik

 

Simeon Kljajic

 

 


Sponsoren & Partner