Erfolgreichster Ruderverein Österreichs

Der Erste Wiener Ruderclub LIA wurde 1863 gegründet und ist damit der älteste Körpersport treibende Verein Österreichs. ...

VIENNA NIGHTROW

Die LIA Bootshäuser im Wandel der Zeit (1863 - 2006)

zusammengestellt von Raimund Haberl, Februar 2006

 

Eine spannende Geschichte von Pionieren und ihren NachfolgerInnen, ihrem nachhaltigen Drang zur Ausübung der Randsportart Rudern, und von einer Donauregulierung und zwei Weltkriegen als Spielverderber.

 

VON DER GRÜNDUNG BIS ZUM 2.WELTKRIEG - SIEBEN HEIMSTÄTTEN

 

Zu jener Zeit, als das Kaiserwasser (Herkunft dieses Namens siehe Glossar im Anhang) noch in seiner ursprünglichen Beschaffenheit bestand, jener Donauarm, der vor der Donauregulierung unterhalb der heutigen Nordbrücke vom damaligen Hauptstrom (der heutigen Alten Donau) abzweigte, die Brigittenau, das seinerzeitige Zwischenbrücken, bespülte und sich dann im Bereich des heutigen Kaiserwassers (im Volksmund manchmal als Mondscheinlacke bezeichnet) wieder mit dem alten Donaubett vereinigte, konnte man um das Jahr 1860 zur Sommerszeit Zeuge eines regen Treibens werden.

Viele Bäder am Kaiserwasser dienten den Wienern zur Erholung. Den jungen Leuten bereitete es aber auch größtes Vergnügen, in von Fischern entliehenen Zillen den Fluss zu befahren.

Man schrieb das Jahr 1861, als einige Strombegeisterte mit Josef Weidner an der Spitze großen Gefallen am Rudern fanden. Sie begannen systematisch mit dieser neuen Sportart und gelten daher als Gründer des Rudersports in Österreich. Noch im selben Jahr veranstaltete Weidner die erste Zillenwettfahrt am fließenden Kaiserwasser.

Zwei Jahre lang huldigte man so diesem Sport, bevor unsere Vorfahren das Bestreben verspürten, dieses für sie so wunderbare Freizeitvergnügen auch an andere zu vermitteln. Der Entschluss, einen Ruderclub zu gründen, wurde gefasst.

Dazu mussten zunächst Statuten ausgearbeitet werden. Deren behördliche Genehmigung wurde schließlich Anfang September 1863 erteilt. Am 16.9.1863 wurde unser Club anlässlich einer Festversammlung unter demselben Namen, wie der erste Vierer - LIA - als ERSTER WIENER DONAURUDERCLUB LIA feierlich ins Leben gerufen. Ab diesem Zeitpunkt wird unsere Clubgeschichte geschrieben, obwohl die Anfänge, wie oben erwähnt, auf das Jahr 1861 zurückgehen (Herkunft des Clubnamens LIA siehe Glossar im Anhang).

1862 ereignete sich im Bereich von Wien ein katastrophales Hochwasser. Damals sah die Donau mit all ihren Nebenarmen im Bereich von Wien noch ganz anders aus als heute (-> Plan 1). Dieses Hochwasser führte am 8.2.1864 zur Bestellung der Donauregulierungskommission, die jedoch wegen des Preussenkrieges erst 1867 mit ihrer Arbeit begann.

Die Jung-LIAnesen, deren Wirken sich ja im wesentlichen im Bereich der Freibäder am Kaiserwasser abspielte, hatten es bald satt, von der Gefälligkeit Fremder abhängig zu sein und wollten ihren geliebten Sport mit etwas mehr Bequemlichkeit ausüben. So erbaute man bereits anno 1864 eine Holzhütte um 444,- Gulden am Kaiserwasser in unmittelbarer Nähe des Holzer?schen Bades, das etwas stromauf der heutigen Reichsbrücke im Bereich des heutigen Handelskais, etwa in Verlängerung der Walcherstrasse, situiert war (mit "1" im Plan 2 und in der Bootshäuser-Übersicht im Anhang bezeichnet).

Vom ersten richtigen Bootshaus sprechen wir erst 1869. "Im Jahre 1869 ging man an die Erbauung des 1.Clubhauses, welches an der Stelle, wo früher eine elende Holzhütte den Bedürfnissen der Ruderer nur kümmerlich Rechnung trug, denselben nun eine einladende Heimstätte bot" kann man LIA Jahresbericht 1881 lesen. ("2" im Plan 2/Übersicht) (-> Bild 0)

Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass es noch lange nicht unser letztes sein sollte und dass man sich gar nicht lange an dieser Heimstätte erfreuen würde. Denn bereits kurz nach der Fertigstellung des Hauses im Jahr 1869 erreichte die verdutzten LIAnesen die Kunde von der bevorstehenden Donauregulierung. Sie war zwar Segen bringend für Wien und seine Bewohner, jedoch vernichtend für die LIA. Abgesehen von der Gefährdung unseres Standplatzes, befürchteten unsere Vorfahren, dass durch die Begradigung des Stromes die Strömung für die Ausübung des Rudersports einfach zu groß werden würde. Man befürchtete sogar überhaupt das Ende der Ruderei in Wien.

Das Regulierungsprojekt wurde nach allen kaiserlichen Genehmigungen mit dem Reichsgesetz vom 8.2.1869 beschlossen. Der Spatenstich für dieses Jahrtausendbauwerk erfolgte am 14.5.1870 durch Kaiser Franz Josef.

Die Donauregulierungskommission als Grundherr kündigte uns am 30.6.1870, die erste Befürchtung hatte sich damit bewahrheitet. Glück im Unglück für uns war noch, dass die Baufirmen der Kronprinz-Rudolf-Brücke (so hieß die Reichsbrücke damals) dem Club das eben errichtete Clubhaus als Baukanzlei abzukaufen bereit waren.

1872 waren die LIAnesen also gezwungen, ihren ersten Standort zu verlassen, es erfolgte die Übersiedlung weiter stromabwärts zum Ausfluss des Kaiserwassers und die Errichtung des 2.Clubhauses ("3" im Plan 2/Übersicht) der LIA ebendort (-> Bild 1), in unmittelbarer Nachbarschaft des damaligen Gasthauses zum "Franz Josefs-Land" (Herkunft dieses Namens siehe Glossar im Anhang). Heute kann die Lage etwa beim VW Schwandl, stadtauswärts gesehen rechts von der Wagramerstrasse, angenommen werden. Leider musste dieses Holzhaus bereits beim Bau als provisorisch angesehen werden, war doch damals völlig unsicher, was die Donauregulierung noch an bösen Überraschungen für die Ruderer bringen würde. An diesem idyllisch gelegenen Haus sollten wir uns dann tatsächlich nur bis 1876 erfreuen.

Der Rollerdamm zwischen Floridsdorfer Brücke und Nordbrücke bildete das obere Ende des Durchstiches, also des neuen Donaubettes. Am 19.4.1875 sollte die Eröffnung dieses neuen Strombettes erfolgen und damit der ursprüngliche Hauptstrom zum stehenden Gewässer, nämlich zur heutigen Alten Donau, werden. Der Rollerdamm konnte jedoch dem Wasserdruck nicht mehr widerstehen und wurde undicht, bis er schließlich völlig weggespült wurde. Die Donau bemächtigte sich somit früher als geplant, nämlich schon in der Nacht vom 15. zum 16.4.1875, ihres neuen Bettes. Dieser Tag gilt als Geburtstag der Alten Donau.

Die LIA, die als erster Ruderverein mit 2 Vierern vom neuen Strom Besitz ergriff, stand nun also abermals vor der Frage eines Domizilwechsels. Man entschloß sich schließlich an das neue Flussbett zu übersiedeln. Das alte Clubhaus wurde verkauft, schon im Laufe des Sommers 1876 wurde neben dem damaligen Männerfreibad (ein wenig oberhalb der Reichsbrücke) ein Holzbau als Bootsschuppen ("4" im Plan 2/Übersicht) errichtet, aber schon im November 1876 konnte das endgültig neue 3.Clubhaus am rechten Stromufer in Zwischenbrücken, ca. 1,5 km oberhalb der Reichsbrücke, eröffnet werden (-> Bilder 2, 3). Übertragen auf die heutige geografische Situation, lag dieses Haus im Bereich der Auffahrt auf die Brigittenauerbrücke auf der Brigittenauer Stromseite ("5" im Plan 2/Übersicht). Der Preis des Hauses betrug 8.000,-Gulden, ein für damalige Zeiten ungeheurer Betrag.

Mit "Wir können nicht umhin, an dieser Stelle der Munificenz jener Männer zu gedenken, durch deren Opferwilligkeit die LIA in die Lage kam, nunmehr ein auf lange Zeit allen Anforderungen entsprechendes Bootshaus zu besitzen", wurden im LIA-Jahresbericht 1881 die edlen Spender bedankt.

 

Nach den euphorischen 25-Jahr-Jubiläumsfeiern im Jahre 1888 mit der Polka Bug an Bug von der heimischen Regimentsmusik unter Carl Michael Ziehrer, begann das Jahr 1889 mit einer Überraschung. Auf Ersuchen des "alten" Ruderklubs Donaubund (nicht identisch mit dem heute an der Alten Donau situierten Donaubund) kam es zur Fusion und damit zur Übernahme des Donaubund-Bootshauses in der Kuchelau ("6" in der Übersicht). Das schien sehr positiv zu sein, schwebte doch wieder einmal das Damoklesschwert in Form einer Kündigung über unserem Bootshaus in Zwischenbrücken. Schon 1893 wurde das Donaubund-Haus wieder verkauft, dafür wurde der Pachtvertrag für unser Stammhaus in Zwischenbrücken auf weitere 10 Jahre verlängert.

Aber auch in Zwischenbrücken wurde die LIA nicht alt. Nach insgesamt 26 Jahren wurden unsere Vorfahren dort 1902 gekündigt und mußten das schon vertraut gewordene Heim aufgeben. Ein neuer Platz wurde in Nußdorf gefunden, etwa 2,7 km stromauf des alten Standortes, ebenfalls am rechten Stromufer, ca. 400 m oberhalb der Nordwestbahnbrücke (heute: Nordbrücke) beim Strom km 1932,95, auf dem heutigen Gelände des Grundwasserwerks Nußdorf. Das Haus in Zwischenbrücken wurde Stück für Stück abgetragen, mit Flößen und auf Achse zum neuen Standort transportiert und dort wieder aufgebaut. So entstand das damals geliebte "Nußdorf", unser 4.Clubhaus, das bis zum 2.Weltkrieg unsere ruderische Heimat bleiben sollte ("7" im Plan 2/Übersicht) (-> Bilder 4, 5).

Die Zeiten der Wechsel von Standort zu Standort schien damit zu Ende und der Kommentar im Jahresbericht 1888: "Aus Vorstehendem ist zu ersehen, dass wir nicht in der Lage waren, in behaglicher Ruhe uns zu entwickeln, sondern dass beständige Sorge um eine entsprechende Heimstätte uns zwang, meist schon nach kurzer Zeit den Platz zu räumen, den wir zu fester Niederlassung gewählt zu haben glaubten" brachte, wie unsere Vorfahren damals wohl vermuteten, Geschichtliches zum Ausdruck. In Wirklichkeit sollte es jedoch erst die vorletzte Station unserer langen Wanderschaft sein.

Am 1.8.1914 mußte das Haus für etwa 4 Jahre dem Militär zur Verfügung gestellt werden. In dankenswerter Weise nahm uns während dieser Zeit der Wiener Ruderklub Donau als Gäste in seinen Bootshäusern an der Alten Donau und am Strom auf.

Unser Heim am Strom war nach dem 1.Weltkrieg in desolatem Zustand wieder übernommen worden, die dem Club zugesagte Entschädigung wurde niemals ausgezahlt. Mühsam und unter größten Entbehrungen wurde das Haus restauriert und wieder aufgebaut.

Im Jahresbericht 1935/1936 steht diesbezüglich zu lesen: "Als Schlußstein zu den im vorvergangenen Klubjahre durchgeführten Umbau- und Sanierungsarbeiten am Klubhaus wurde im verflossenen Klubjahr die Inneneinrichtung des Rennstalles beendet. Es wurden neue Bootslagerstellen modernster Konstruktion angebracht, auf welchen die Boote auf Gleitschienen mühelos von und an ihre Stelle gebracht werden können. Der Rennstall kann mit seinen neuen Einrichtungen als Musterbootshalle bezeichnet werden. Die neugeschaffene Heurigendecke, deren schönste Zierde eine kunstvoll angefertigte, von einem ungenannt sein wollenden Gönner gestiftete Heurigenlaterne ist, soll künftighin für gute Stimmung außenbords sorgen. Das große Aufbauwerk an unserem Klubhaus ist somit vollendet. Mit Stolz und Befriedigung kann die LIA auf die getane Arbeit schauen. Sie ist nun auf Jahre hinaus der Sorge um das Heim enthoben. Wir besitzen ein Klubhaus, das allen Ansprüchen eines modernen Ruder- und Gesellschaftsbetriebes gerecht wird".

 

Schon immer strebte die LIA danach, auch an der Alten Donau Fuß zu fassen. Nach vielen Kontakten mit einigen Vereinen war es 1939 endlich soweit. Der Deutsche Ruderklub Arminen trat an uns wegen einer Fusion heran. Am 29.6.1939 stimmten beide Vereine derselben zu. Wir übernahmen also per 1.7.1939 das auf die 20er Jahre zurückgehende Bootshaus der Arminen, welches unser 5.Clubhaus wurde ("8" im Plan 2/Übersicht) (-> Bild 6).

Wenn man die beiden provisorischen Holzhütten und das Donaubund-Haus mitrechnet, wäre es schon das achte. Damit standen uns damals 2 Bootshäuser und herrliches Gelände zur Verfügung, beste Voraussetzungen also für einen weiteren Aufschwung.

Leider zerstörte der 2.Weltkrieg jäh diese Hoffnungen. 1943 wurde uns das Betreten des Strombootshauses untersagt, das Militär bemächtigte sich seiner.

In den Apriltagen 1945 war die Gegend entlang der Donau Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen und das Bootshaus wurde durch Artillerietreffer beschädigt. Der spärliche Ruderbetrieb zu dieser Zeit war auf das Alte Donau Bootshaus beschränkt.

Nach dem Krieg war der Weiterbestand der LIA zum Großteil unserem Ehrenmitglied Dr.Ing.Karl Maschek zu verdanken. Ihm gelang es unter Mithilfe von Ruderkameraden anderer Vereine, die gute Verbindungen zur Besatzungsmacht hatten, das Bootshaus Alte Donau samt Rudermaterial wieder für unsere Zwecke verfügbar zu machen. Erst später sollte sich herausstellen, dass dabei ein rudersportbegeisterter Sowjetoffizier seine Hände im Spiel hatte. Statt der Errichtung einer Militärtankstelle stellte er unser Clubgelände weiterhin für den Rudersport zur Verfügung.

Weniger Glück war uns allerdings bezüglich "Nussdorf" beschieden. Das Strombootshaus war zwar nur leicht zerstört, es war aber wegen seiner Vergangenheit als militärisches Objekt während der Kampftage auch unmittelbar nach Kriegsende nicht freizubekommen. Lediglich ein Boot und ein Wasserspeicher konnten gerettet und von Dr. Maschek und Hans Dechant per Handkarren zur Alten Donau transportriert werden. Den strengen Winter 1945/46 überlebte das Haus jedoch nicht mehr, die Besatzungstruppen und ihre Freunde zerlegten es bis auf die Grundmauern und zerstückelten auch die Boote. Das war also das traurige Ende unserer mehr als 40 jährigen Präsenz an der Donau und wir konnten bis heute nicht mehr mit einer dauernden Bleibe dorthin zurückkehren.

1955 - nach Abschluss des Staatsvertrages - wurde im Nationalrat das Besatzungsschäden - Wiedergutmachungsgesetz beschlossen. Dieses ermöglichte uns, den Schaden für Haus und Inventar (vorwiegend Boote) in Höhe von ca. 1.500.000,- geltend zu machen. Nach langen Jahren des Intervenierens und Wartens haben wir dann im November 1962 die im Verhältnis zum tatsächlich erlittenen Schaden bescheidene Summe von 260.000,- erhalten.

 

VOM 2.WELTKRIEG BIS HEUTE - DAS BOOTSHAUS AN DER ALTEN DONAU, DAS ACHTE HEIM

Seit 1939 besitzt die LIA nach der Fusion mit "Arminen" (siehe oben) ein Bootshaus an der Alten Donau, seit 1945 ist dies die einzige Heimstätte der LIA - unser 5.Clubhaus (nicht eingerechnet die zwei Holzhütten und das Donaubund Haus in der Kuchelau), das auf einem Pachtgrund des Stifts Klosterneuburg steht ("8" im Plan 2/Übersicht)(-> Bild 6). Dort kehrte im Herbst 1945 wieder der normale Ruderalltag ein und durch einen unvergleichlichen Aufschwung und sportliche Erfolge wurde die LIA im Laufe der Jahre zum erfolgreichsten Ruderclub Österreichs.

Das erforderte immer wieder kleinere Umbauten in diesem Clubhaus zur Anpassung an die sich stetig ändernden Bedürfnisse. Erstaunlicherweise erfüllte aber das aus den 20er Jahren stammende Haus im Wesentlichen unsere Anforderungen bis in die 90er Jahre.

Von 1963 bis 1965 konnte das Haus mit dem Geld aus der Wiedergutmachung (siehe oben) im Erdgeschoss an der Rückseite um 2 Räume (etwa 35m2) für eine Hausbesorgerwohnung, samt darüberliegender Terrasse, erweitert und diverse Ausbesserungen an Fassade, Böden, Türen, Fenstern und Sanitäranlagen ausgeführt werden. Damals befand sich die Herrendusche an der Stelle der heutigen rechten WC-Gruppe (Damendusche existierte noch keine), die Kantine/Küche war im heutigen Saunaumkleideraum. Eine Sickergrube wurde erbaut.

In den Jahren 1974/1975 wurde auf der hinteren Seite über dem 1963/65 errichteten Anbau aufgestockt. Im ersten Stock wurden damit zwei Zimmer geschaffen, ebenso wurden im Dachgeschoss die Herrengarderobe und das Dach um etwa 4m verlängert. Im Zuge dieses Umbaus wurde ein Zimmer im 1.Stock (bis dahin als Schlafraum bzw. Abstellraum genutzt) zur Privatküche des Hausbesorgers und in Verbindung mit den neu geschaffenen 2 Zimmern zur Hausbesorgerwohnung. Weiters wurde zu dieser Zeit die Herrendusche dorthin verlegt, wo sie dann bis zum großen Umbau in den 90ern verblieb. Die ehemalige Herrendusche wurde zu einem Abstellraum.

1975 wurde eine Sauna samt Duschen, ein Ruheraum und ein Umkleideraum in die nordseitigen Räume im Erdgeschoss eingebaut.

1982/83 erfolgte ein Umbau der Herrendusche und die Hinzufügung einer Damendusche sowie die Installierung einer Gas-Zentralheizung samt Warmwasseraufbereitung, weiters die Erneuerung des Balkons, des Stiegenaufganges in die Garderobe, die thermische Isolierung der Bootshalle, die Erneuerung der Elektroinstallationen, eine Generalreparatur des Daches, die Errichtung einer Senkgrube und das Abtragen der Stiege von der Bootshalle in den ersten Stock. Durch letzteres wurde der frei werdende Platz im 1.Stock zum "Eisenkammerl" (Lagerraum) umfunktioniert, in der Bootshalle ergab sich dadurch mehr Raum für die Bootslagerung. Zu dieser Zeit wurde die Damengarderobe, die sich in früheren Jahren auch einmal im Barraum befand, vom Raum links von der Küche in das Dachgeschoss verlegt. Ebenso wurde im Dachgeschoss ein eigenes Juniorengarderobenabteil abgetrennt. Der dadurch freiwerdende Raum wurde zu einem Clubraum mit einer gemütlichen Eckbank und einem großem Tisch sowie einer Durchreiche in die Küche umfunktioniert. Weiters wurde in den Küchenbereich des Hausbesorgers WC und Bad eingebaut. 

Besonders hervorgehoben sollen Sepp Steinbichler, Erwin Zlabinger, Heinz Hohn, Rudi Prokopp und Karl Boyer für ihren Einsatz bei diesen Arbeiten werden.

1989 wurde ein Flugdach als Unterstand für Boote dort errichtet, wo sich heute die neue Bootshalle befindet.

1991 wurden die heutigen WC-Anlagen eingebaut.

1992/93 wurde die damalige Kanzlei zur Küche gemacht. Die frühere Küche verblieb als Wohnraum Teil der Hausbesorgerwohnung.

 

Vor allem in den 1980er- und 90er-Jahren begann der Club immer mehr zu blühen, es entwickelte sich ein so starker Ruderbetrieb, dass das vorhandene Haus, das für die Bedürfnisse der Arminen in den 20er-Jahren ausgelegt war, trotz aller Adaptierungen und Ausbaumassnahmen nicht mehr den aktuellen Anforderungen des Clubs entsprach.

Bis zu 80 Aktive, davon bis zu 40 Jugendliche, befanden sich im Training. Damit waren die Grenzen des infrastrukturellen Umfeldes der LIA erreicht. Das Krafttraining spielte sich im Barraum im ersten Stock ab, wodurch eine akute Gefährdung des Hauses sowie eine spürbare Einschränkung des Clubbetriebes gegeben waren. Die Boote lagerten trotz des zusätzlichen Flugdaches zu einem Gutteil im Freien und waren damit einem relativ schnellen Verfall preisgegeben. Die Notwendigkeit eines Um- sowie Zubaus, aber auch eine Renovierung und Adaptierung des bereits in die Jahre gekommenen Clubhauses zeichneten sich somit klar ab.

Die Jahre seit 1991 waren und sind nun durch umfangreiche Baumaßnahmen geprägt.

 

1991 wurde von unseren beiden Mitgliedern und Architekten DI Hans Bojer und DI Dieter Losert ein Gesamtprojekt, bestehend aus 4 Bauabschnitten, ausgearbeitet (siehe zugehörige perspektivische Darstellung in Bild 7) :

 

  1. Neubau der Kraft- und Konditionshalle und der dazugehörigen Garderobe- und Duschräume, eines Geräteraumes sowie die Neugestaltung der Eingangshalle und des Saunagartens, Ausserbetriebsetzung der alten Duschen.
  2. Bau einer neuen Bootshalle und Schaffung einer Terrasse auf dem Dach der Halle sowie Erneuerung und Verbreiterung des Balkons, Verbindung des Balkons mit der Terrasse. Der Verbreiterung des Balkons entsprechende Verlängerung des Daches und des Dachgeschosses. Rückbau der Kraftkammer in den ursprünglichen Clubraum (Barraum)
  3. Neubau des Daches, Fassadenanstrich und Sanierung der Garderobe samt Wärmedämmung, Heizung und Installierung von Duschen.
  4. Erneuerung der Fenster, Sanierung und Umbau von Sauna, früheren Duschen, Clubräumen (z.B. Adaptierung eines Raumes als Kanzlei), Küche und Hausbesorgerwohnung. Erneuerung der Heizung.

 

Bevor jedoch mit dem Bau begonnen werden konnte, musste die Baubewilligung eingeholt werden. Das sollte eine langwierige Prozedur werden, überschritt doch unser altes Clubhaus bereits vor dem Neubau die gemäß Flächenwidmungs- und Bebauungsplan zulässige Bebauungsfläche von 15% der Grundstücksfläche. Den geschickten und hartnäckigen Verhandlungen Dieter Loserts, unterstützt durch die Intervention von E. Zlabinger sen beim Stift Klosterneuburg, und dem Entgegenkommen der verantwortlichen Beamten war schließlich die Erteilung einer Baubewilligung zu verdanken, allerdings eine für Bauten vorübergehenden Bestandes

Die Zeittafel des Projektes liest sich folgendermaßen:

 

1991     Baubeschluß im Vorstand

1992     Neuregelung des Pachtvertrages mit dem Stift Klosterneuburg als (Grundstückseigentümer) und Einreichung um Baubewilligung

1993     Erteilung der Baubewilligung, Ausführungsplanung, Ausschreibungen, Kostenermittlung

1994     Spatenstich im Juni

1994    Fertigstellung der Trainingshalle im November (1.Bauabschnitt)

1995     Fertigstellung der neuen Bootshalle samt Terrasse (2.Bauabschnitt)

1999 u. 2000   Erneuerung der Fenster und Türen der Clubräume (4.Bauabschnitt)

1999     Kanalanschluß (unvorhergesehen)

2000     Dacherneuerung, Fassadenanstrich (3.Bauabschnitt)

2000    Neubau des Floßes (unvorhergesehen)

2000    Erteilung der Benützungsbewilligung

2004    Generalsanierung der Garderoben (Frauen, Männer), Raum vorgesehen für Duschen im Garderobebereich, Einbau von 111 Garderobekästchen (76 Männer, 35 Frauen), Einrichtung einer Kanzlei im 1.Stock

2005    Sanierung und Umbau der Sauna

 

Wie aus dieser Aufstellung ersichtlich, wurden die ersten beiden Bauabschnitte bereits zur Gänze sowie der dritte weitgehend und der vierte zum Teil abgeschlossen. Zusätzlich mußten bei der Planung nicht vorhersehbare Investitionen (Kanal, Floß) getätigt werden.

 

Das Dach wurde im Frühjahr 2000 neu gebaut. Es handelt sich um ein Gleitbügeldach der Firma Domico mit einer Fläche von 525 m2, in das Dachflächenfenster zur Belichtung der Garderobe eingebaut wurden. Der Fassadenanstrich wurde von einigen Mitgliedern in Eigenleistung angebracht.

Heutige Ansichten des Clubhauses bieten die Bilder 8 bis 10.

 

Vom Gesamtprojekt (siehe oben) verbleiben noch folgende Arbeiten:

  • Erneuerung der Heizung
  • Installierung von Duschen im Garderobebereich im Dachgeschoß
  • Umwidmung der früheren Duschen im Erdgeschoß, Sanierung von Clubräumen, Küche und Hausbesorgerwohnung.

 

Diese ausstehenden Teile des 3. und 4. Abschnittes betreffen alle den Altbau und müssen ganz dringend in Angriff genommen werden, um die Substanz des Hauses zu erhalten und den Sportbetrieb auf Spitzenniveau weiterführen zu können. Die derzeitige Situation mit einer unbeheizten Garderobe im Dachgeschoß und den zugehörigen Duschen im Erdgeschoß sind nicht mehr zeitgemäß und vor allem für das Wintertraining ungeeignet. Daher muß die Garderobe beheizbar gemacht und Duschmöglichkeiten im Garderobebereich geschaffen werden. Die Heizung ist total veraltet und verschlingt jährliche Reparatur- und Energiekosten in unverantwortlicher Höhe. Sowohl die Clubräume als auch die Garderoben sind in einem derart desolaten Zustand, daß sogar die Anwerbung neuer Mitglieder und die Einbindung spendierfreundlicher Eltern stark erschwert ist.

 

Es muss angemerkt werden, daß sich die Bemühungen um öffentliche Förderungen in den 90er Jahren wegen knapper werdender Budgetmittel als immer schwieriger und langwieriger entpuppten. Darauf sind die Phasen ohne Baufortschritt zwischen 1996 und 1998 sowie 2001 und 2003 zurückzuführen, die ursprünglich nicht eingeplant waren. Durch einen Kredit konnten die Baumassnahmen 2004 fortgeführt werden.

 

Großartig waren die Eigenleistungen sehr vieler Mitglieder, ohne die dieses "Jahrhundert-Projektes" nicht verwirklichbar gewesen wäre. Hier sind eine einmalige Umlage für alle Mitglieder in Höhe eines Jahresbeitrages sowie darüber hinaus die großzügigen Geldspenden (A. und F.Altenhuber, H.Bojer, E.Chladek, R.Haberl, D.Losert, S.Steinbichler,M.Strasser) bzw zinsenlosen Darlehen einiger Mitglieder (H.Bojer, M.Hinterleitner, B.Lejolle, K.Sandhäugl) zu nennen. F.Nitsche hat die Dachflächenfenster gespendet

Besonderer Dank gebührt Dieter Losert und Hans Bojer für die kostenlose Planung des Gesamtprojektes und die Bauleitung der Bauabschnitte 1 und 2, DI Vasko für die kostenlosen statischen Berechnungen, Helmut Kuttelwascher für die Mitarbeit beim Kanalanschluss und die Bauleitung und Abrechnung des bisher realisierten Teiles des Bauabschnittes 3 sowie Hedi Haberl, die mit der "LIA Kabarett Gruppe" einen ansehnlichen finanziellen Beitrag leistet.

 

Wir sind guter Hoffnung, dass wir die Abschnitte 3 und 4 in möglichst kurzer Zeit erledigen können und damit dem Club sowohl in sportlicher als auch in gesellschaftlicher Hinsicht die nötigen Voraussetzungen für ein erfolgreiches Bestehen im dritten Jahrtausend schaffen. Dazu benötigen wir sicher noch einmal den Einsatz aller Mitglieder, aber auch die Hilfe von öffentlichen Stellen. Gemeinsam mit ihnen wollen wir unser Bootshaus, das uns seit fast 70 Jahren so gute Dienste erweist, fit für die nächsten Jahrzehnte machen.

VIVAT, CRESCAT, FLOREAT-LIA FOREVER

 

Verwendete QUELLEN

G.Ladinig (Hrsg.): Die Alte Donau, Menschen am Wasser, Perspektiven einer Wiener Landschaft, Verlag Bohmann, 2000

P.Mohilla, F.Michlmayr: Donauatlas Wien, Geschichte der Donauregulierung auf Karten und Plänen aus vier Jahrhunderten, Österr. Kunst- und Kulturverlag Wien, 1996

Festschrift 125 Jahre LIA, 1988

Festschrift 100 Jahre LIA, 1963

Jahresberichte und Vorstandsprotokolle der LIA

LIA Boten

Informationsschrift zur Spatenstichfeier, LIA, 1994

Informationsschrift zur Dachgleichenfeier der neuen Bootshalle, LIA, 1995

Raimund Haberl, Wien, im Februar 2006

 

ANHANG

 

BOOTSHÄUSER ÜBERSICHT (siehe Plan 2)

       1863-1864                        ohne eigenes Heim                            1 Jahr

1.    1864-1869                        Holzhütte Kaiserwasser                     5 Jahre

2.    1869-1872                        1. Haus Kaiserwasser                        3 Jahre

3.    1872-1876                        2. Haus Kaiserwasser                        4 Jahre

4.    1876                                 Holzschuppen am Donaustrom         wenige Monate

5.    1876-1902                        3. Haus Donaustrom                         26 Jahre

6.    1889-1893                        Donaubund Haus Kuchelau              (4 Jahre)

7.    1902-1945                        4. Haus Donaustrom                          43 Jahre

8.    1939-heute                       5. Haus Alte Donau                             x Jahre

 

GLOSSAR

 

- Als Franz Josefs Land wurde das Gebiet zwischen Schüttaustrasse und Alter Donau bezeichnet (dieser Name rührte von der Inselgruppe im nördlichen Eismeer, die Payer und Weyprecht mit der Admiral Tegetthoff zu dieser Zeit entdeckten und zu Ehren des Kaisers Franz Josefs Land nannten). Es wurde auch Kleiner Prater bezeichnet und war eine beliebte Vergnügungsstätte der Wienerinnen und Wiener mit Schaustellungen, Ringelspielen, Hutschen und Buden aller Art inmitten einer herrlichen Auenlandschaft. Zunächst üblicherweise zu Fuß erreicht, kam im Jahr 1898 die Popularität des Franz Josef Landes zu einem Höhepunkt, als die "Elektrische" vom Praterstern bis zur K.u.K. Militärschießstätte am damaligen Säulenhaufen (heute Sportanlage der ÖBB zwischen UNO City und Arbeiterstrandbadstrasse) geführt wurde. Um 1910 nahm die Popularität wieder ab und 1938 schlossen alle Vergnügungseinrichtungen. Auch ein Gasthaus trug diesen Namen.

- Das Kaiserwasser kam zu seinem Namen, weil hier eine grosse Anzahl (60 ? 70) von kaiserlichen Schiffsmühlen angesiedelt waren. Ebenso daher stammt "Kaisermühlen".

- Unser Clubnamen LIA wurde zu Ehren von Frau Cornelia von Kendler gewählt, die als Gattin eines der Gründer mit dem Rudersport eng verbunden war. Sie entwarf auch die blaue Clubflagge, welche die LIA heute noch führt.

 

BILDTEIL

Plan 1:       Donau und Nebengewässer in Wien vor der Regulierung

Plan 2:       Lage der LIA Clubhäuser bezogen auf das heutige Wien

Bild 0:        1. Clubhaus am Kaiserwasser (1869-1872) ("2")*

Bild 1:        2. Clubhaus am Kaiserwasser (1872-1876) ("3")*

Bilder 2,3:  Clubhaus an der Donau in Zwischenbrücken (1876-1902) ("5")

Bilder 4,5:  Clubhaus an der Donau in Nußdorf (1902-1945) ("7")

Bild 6:        Clubhaus Alte Donau (seit 1939) Anfang der 60er ("8")

Bild 7:        Clubhaus Alte Donau, Ausbauplanung ("8")

Bilder 8-10: Clubhaus Alte Donau nach Ausbau, Sommer 2000 ("8")*

 

* Die Zahlen ("x") geben die Nummer unserer Bootshäuser aus der Bootshäuser Übersicht an.